Marian Hergouth, Jahrgang 1953. Lehramtsstudium an der philosophischen Fakultät in Graz.

Seit meiner frühen Kindheit befasse ich mich mit der bildenden Kunst. Farben haben mich immer schon fasziniert, Rot vor allem. Am meisten bewundere ich die Farbgestaltung von Gustav Klimt und Friedensreich Hundertwasser. In Zeichnungen bewundere ich den Strich von Egon Schiele. Ich bin tief verwurzelt in der österreichischen Maltradition.
Emil Nolde bewundere ich sehr. Er setzt die Farben impulsiv und kräftig, ohne zu zögern, immer mit einem Quentchen Zufall im Kalkül.
In seinem Leben immer am Limit und im Zwiespalt mit seinem Umfeld, unbeirrt, kompromisslos in seinem Streben nach Schönheit.
Ich teile seine Vorliebe für kräftige Farben. Für Rot in allen Schattierungen. Für Japanpapier, welches die Farben zum Fließen bringt und dem Meister Zufall genügend Spielraum läßt.
In meinem Gesamtwerk finden sich viele Bilder, die den Mohn als Thema haben. Der Mohn ist für mich eine Metapher für die tiefe, ehrliche, feurige, aber auch zerstörerische Liebe, die sich schließlich in Hass verwandelt kann.
Seine kurze Blütezeit zeigt uns, wie schnell etwas Schönes zu Ende gehen kann. Kaum eine Blume verändert ihr Aussehen so dramatisch wie der verblühende und verwelkende Mohn. Was danach bleibt, ist die Kapsel, die an sonnentrunkene Stunden erinnert. Aus der Kapsel wird ein Saft gewonnen, der Schmerzen lindert, schöne Träume bringt, der aber –in konzentrierter Form- uns Menschen süchtig machen kann, so süchtig, dass der Tod eine Erlösung ist.
Der Großteil meiner Aquarelle ist auf Japanpapier gemalt. An Japanpapier liebe ich die das Verfließen und Ineinanderfließen der Farben. Dabei spielt für mich die Form eine untergeordnete Rolle. Die Farben sollen sprechen. Hier halte ich es mit Goethe, der gesagt hat: „ Maler halt’s Maul, male.“
In den Mischtechnik-Bildern verwende ich eine Abwandlung der klassischen Schichtenmalerei mit Verwendung von Aquarell-, Tusche-, Aquacryl-, Eitempera-, Acryl- und als letzte Schicht Ölfarben mit höchster und reinster Pigmentierung.
sind nicht vordergründig dekorativ, nicht ästhetisierend. Eine Gratwanderung zwischen Abstraktion und gegenständlicher Malerei.
Die Betrachter meiner Bilder sollen diese verstehen, ohne vorher drei theoretische Abhandlungen lesen zu müssen.
Sie sind gemalte Musik: Vorwiegend Pop und Mainstream Rock. Der Wirkung dieser Musikgattung konnte und wollte ich mich nicht entziehen. Für mich spiegelt sie das Tempo unserer Zeit, unseres Lebens.
Einfacher Rhythmus, simpel im Aufbau, grelle Farben, laut. In einer Entwicklungsphase versuchte ich mich an der klassischen Malerei in der Art der niederländischen Maler des 17. und 18. Jahrhunderts. Eine akribischen Maltechnik mit verdeckten Farben, in mehreren Schichten aufgebaut. Ich erkannte im Verlauf der Zeit, dass diese Malerei nicht unserem Zeitgeist, Sie kann nicht unser Leben und all das, was uns umgibt und beeinflusst wiedergeben. Als ich mit der Technik der Alten Meister malte, fühlte ich mich in die damalige Zeit zurückversetzt. Ich fühlte wie die Maler dieser Epoche: Ich hatte kaum Hunger, benötigte wenig Schlaf, und Zeit spielte keine Rolle. Ich fühlte mich wohl in dieser Zeit, aber ich kann mich nicht aus meiner Umwelt zurückziehen. Als Maler lebe ich sowieso schon – mehr als viele meiner Mitmenschen- in einem Elfenbeinturm und beobachte, oft von oben und aus größerer Distanz, das Treiben um mich herum.